Kommunale Ernährungspolitik

Wer macht Ernährungspolitik?

„Ernährungspolitik? Das ist Sache von der EU“ oder „das ist Aufgabe des ländlichen Raumes, nicht von Stadtpolitik“ heißt es oft. Aber das war nicht immer so und muss nicht so sein! Bis in die 50er Jahre war die Lebensmittelversorgung eine städtische Aufgabe. Die Industrialisierung und Exportorientierung der Landwirtschaft führten dann zu einer Delokalisierung (räumliche Trennung von Produktion und Konsum) und zu einem Konzentrationsprozess, in dem Märkte und nicht Politik bestimmen, was auf unseren Tellern landet. Die Folgen waren zerstörte regionale Lieferketten und ein bis heute anhaltendes Höfesterben. Damit einher ging, dass Kommunen den Umgang mit dem Thema Lebensmittelversorgung verlernt haben, schließlich ernähren wir uns vorwiegend aus globalen Märkten.

Für eine kommunale Ernährungspolitik!

Ernährung ist ein Querschnittsthema, das zwischen allen Stühlen der Kommunalpolitik hängt und für das sich daher keine Verwaltung verantwortlich fühlt. Kommunale Ernährungspolitik will dieses Silodenken aufbrechen und Ernährung im Zusammenhang mit Umwelt-, Gesundheits- und Sozialfragen wieder als ein Handlungsfeld begreifen.

Kommunale Ernährungspolitik kann zum Beispiel die Erarbeitung einer Ernährungsstrategie mit entsprechenden Maßnahmen beinhalten. Folgende Ämter können in die Entwicklung einer Ernährungsstrategie involviert sein:

  • Umweltamt
  • Schulamt
  • Jugendamt
  • Grünflächenamt
  • Liegenschaftsamt
  • Gesundheitsamt
  • Wirtschaftsförderung
  • Klimaschutz / Nachhaltigkeit
  • Verbraucherschutz
  • Sozialamt

 

Kommunale Ernährungspolitik ist ein wichtiger Bestandteil einer Ernährungswende. Philipp Stierand, Raumplaner und Experte für Ernährungspolitik, berichtete im Rahmen der Wandelwoche 2020 des forum1.5 in seinem Vortrag, welche Chancen und Möglichkeiten eine kommunale Ernährungspolitik beinhaltet.

Kommunale Aufgaben

Im Rahmen des Frühjahrsforum 2021 des forum1.5 wurde mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Kommunalpolitk und Verwaltung über die Handlungsmöglichkeiten von Städten und Gemeinden zur Gestaltung einer Ernährungswende diskutiert. Zum Nachlesen wurde ein Dossier erstellt, welches Sie über den unten stehenden Button abrufen können.

Das Handlungsfeld von Städten und Gemeinden ist vielfältig. Es gibt viele kommunale Möglichkeiten und Spielräume, das Ernährungssystem klimafreundlich, gesundheitsfördernd und fair zu gestalten. Hier eine kleine Auswahl:

Kommunale Richtlinien und Vorgaben: können insbesondere für kommunale Einrichtungen und Flächen eingerichtet werden. Da die Kommune auch Eigentümerin von Grund und Boden ist, können hier ein schonender  und klimapositiver Umgang festgesetzt werden und so unsere Ökosysteme und die (ökologische) Landwirtschaft unterstützt werden.

Kommunale Trägerschaften von Gemeinschaftsverpflegung: Der Anteil an bio-regionalen Lebensmitteln  in der Gemeinschaftsverpflegung kann durch Kommunen als Ziel formuliert werden. Das eröffnet auch einen wichtigen Absatzmarkt für lokale Landwirt:innen und Lebensmittelhandwerksbetriebe. So können regionale Produktions- und Verarbeitungsstrukturen aufgebaut, erhalten und gefördert werden. Auch kann das Angebot an Gerichten in den Einrichtungen klimafreundlich gestaltet werden, indem der Anteil an fleischhaltigen Gerichten und Lebensmittelverschwendung reduziert werden.

Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen: Durch beispielsweise eine Wirtschaftsförderung 4.0 können alternative Strukturen wie SoLaWis oder RegionalwertAGs aufgebaut und unterstützt werden.

Kommunale Ernährungsstrategie: kommunale Ziele und Maßnahmen im Bereich Ernährung, Lebensmittelversorgung und Landwirtschaft können in einem Strategiepapier festgeschrieben werden. Somit kann kommunale Ernährungspolitik aktiv betrieben werden. An Ernähurngsstrategien arbeiten schon andere Ernährungsräte in Deutschland:,Köln, Berlin und Zürich haben zum Beispiel schon eine Ernährungsstrategie.

Weitere Aufgaben finden Sie im Dossier.

Die 5 Rollen der Kommune in der Ernährungswende

Mit diesen Aufgaben übernimmt die Kommune 5 verschiedene Rollen in der Ernährungswende. Somit ist sie ein wichtiger Akteur für die Transformation unseres Lebensmittelsystems.